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Wundersame Geschichten über Buddha-Figuren

Die geheimnisvolle Kraft Teja

Heute noch sprechen die Thais mit Buddha-Statuen, als seien sie Menschen wie du und ich, nur eben viel mächtiger. Viele Gläubige sind der Ansicht, das Buddha-Statuen auch Wunder vollbringen können und über wundersame Kräfte verfügen. Es ist die wundersame Kraft Teja, eine Art Energie, die sich auch Buddha als Folge seiner Erleuchtung aneignete. Die Bezeichnung Teja ist vermutlich aus dem Sanskritwort Deva abgeleitet. Deva bedeutet göttlich, aber auch leuchtend, glänzend, übermenschliches Wesen und Engel. Die Inder selber bezeichnen es als die Kraft aus dem Äther, etwa gleichzusetzen mit der legendären kosmischen und universiellen Kraft Vril oder dem fünften Element der Alchemisten.

Diese legendäre Kraft Teja soll eine Art elektrische Licht-Energie sein, die auch Buddha beherrscht haben soll. Dies soll auch einer der Gründe dafür sein, dass Buddha-Statuen mit Vorliebe mit Goldblättchen verziert werden, um einen glänzenden, lichtempfindlichen Effekt zu erzielen, der diese Teja repräsentieren soll.

Zweimal soll Buddhas Körper geleuchtet haben. An dem Tag wo er die Erleuchtung unter dem Bodhibaum fand und dann kurz vor seinem Übergang ins Nirwana. Sein Körper soll wie Gold bzw. wie ein überirdisches Licht geleuchtet und die Erde gebebt haben, so die Überlieferung. Wir finden auch viele Abbildungen, wo Buddha mit einer Art Strahlenkranz versehen ist, der diese Licht ausdrücken soll. Nur eine Legende ?

Durch dieses Teja, so ist man überzeugt, können Buddha-Statuen ein Eigenleben entwickeln. So gibt es im buddhistischen Glauben auch die Überzeugung, dass es normale und mächtige Buddha-Statuen gibt, die man natürlich besonders verehrt. Dies soll auch im Laufe der Jahrhunderte sogar bei vielen Kriegen eine wichtige Rolle gespielt haben. Hatte eine Stadt einen mächtigen Buddha, so war es für einen Feind, bei einem Angriff, mit dem Risiko verbunden, dass die Statue vielleicht ihr Teja auf sie richtete. Eventuell war dies auch der Grund, warum z.B. die Burmesen bei den Kriegen gegen Siam, obwohl ebenfalls überzeugte Buddhisten, viele Buddha-Statuen zerstörten. Waren Sie im Glauben, dadurch die macht der Buddha-Statuen und damit Siams zerstören zu können.

Es gibt in Südostasien natürlich auch Ruinenstätte. Mit Andacht weisen die Thais darauf hin, dass die Gesichter von Buddha-Abbildungen von keiner Pflanze im Ganzem bedeckt würden, da dies von ihr nicht zugelassen wird. Ihre Kraft (Eigenleben) ist damit aktiv. Dabei ist es schon verblüffend, dass tatsächlich z.B. im alten Angkor die Gesichter relativ frei sind, und die Baumwurzeln, Lianen oder andere Pflanzen in einer Art Bogen um das Gesicht wachsen. Ob etwas an dieser Geschichte wahr ist ?

Natürlich ist es schwer nachzuvollziehen, in welcher Beziehung die geheimnisvolle Kraft Teja mit dem Buddhismus steht. Seit Jahrhunderten führen Buddhismus und Animismus ein Miteinander. Dies war für den Buddhismus in manchen Zeiten und manchen Regionen auch eine Überlebensfrage. Deshalb gab es verschiedene, seltsame Symbiosen, so z.B. in Nepal, wo der Buddhismus mit hinduistischen Glaubensinhalten verschmolzen ist. Ähnliches gibt es in China und Japan. Buddhas Lehre wurde ja in einer Zeit verbreitet, wo Geisterglaube, Brahmanismus, Magie und andere seltsame Religionen weit verbreitet waren. Dies war auch Buddha bekannt. Und da er anscheinend die Gefahren erkannte, wurde auch die Regel für die Mönche bestimmt, dass kein Mönch übernatürliche Fähigkeiten vorspielen dürfte!

Insbesondere die Brahmanen waren damals sehr einflussreich. Sie waren Priester, Magier und Repräsentanten der Götter in einer Person. Das Wort Brahman kommt aus dem altindischen Veda (Wissen), und ist eine Bezeichnung für eine Rituelle Handlung die mit einem Zauberwort begleitet wurde. Auch kannten die Brahmanen fünf Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Wind und die kosmische Kraft. Teja soll ja ein Teil der kosmischen Kraft, des fünften Elements gewesen sein.

Die Druiden der Kelten waren der festen Überzeugung, das ein geweihter oder heiliger Ort, ein so genannter nemetan, ein mythischer Mittelpunkt der Erde sei und als Kraftquelle einer Art energetischer Energie, dem fünften Element, dienen konnte (Energetik= gr. Lehre von der Energie) und zugleich Bindeglied zu den Göttern war. Die alten Griechen kannten den Ort Nemea, wo auch einer der heiligsten Tempel des Gottes Zeus stand. Zeus galt als Beherrscher der kosmischen Kraft, woraus auch seine Blitze bestanden haben sollen.

Insgesamt ist die Thematik sehr kompliziert. Trotzdem sollten wir es nicht direkt als Unsinn oder Aberglauben abtun, sondern weiterhin untersuchen. Einstein soll einmal gesagt haben, nachdem seine Relativitätstheorie zunächst bei der Wissenschaft nicht verstanden wurde: Was nicht verstanden wird, wird auch nicht akzeptiert. Betrachten wir also alles als ein grosses altes Geheimnis, dass wir vielleicht noch wenig verstehen und noch nicht richtig interpretieren können. Es ist jedoch ein Teil des Buddhismus und des Glaubens in Thailand.

Geschichten über wundersame Buddha-Figuren

Wie man auch dazu stehen mag, manche Buddha-Figuren haben eine so individuelle Geschichte zu erzählen, dass man nicht voreilig von Nonsens reden sollte. Da es in Thailand Millionen von Buddha-Figuren aller Grössen gibt, ist es bemerkenswert, dass sich die ungewöhnlichsten Geschichten auf nur wenige Buddha-Statuen beziehen. Die meisten hört man erst so richtig, wenn man intensiv danach fragt, warum die eine Buddha-Statue mehr verehrt wird als die andere

Hier eine Auswahl ungewöhnlicher Geschichten, die das Eigenleben und die Macht von Buddha-Statuen untermauern sollen. Mag auch manches der mir erzählten Informationen ausgeschmückt worden sein, letztendlich bleibt vieles unerklärlich! Die Thais wachsen mit solchen Geschichten auf. Möge sich jeder selber seine Gedanken über die Geschichten machen und jeder seine ganz persönliche Antwort finden.

Der sprechende Buddha

Von einer grossen, liegenden Buddha-Statue in einem Wat der Provinz Ang Thong heisst es, sie habe in der Regentschaft von König Chulalongkorn die Fähigkeit der Sprache bewiesen. Eines Nachmittags, als der Abt des Wats und eine grosse Zahl von Mönchen anwesend waren, habe die Statue zunächst einige murrende Töne von sich gegeben. Als sich die aufgeregte Menge wieder beruhigt hatte, kam mit der Figur und dem Abt ein Dialog zustande. Die Statue sagte eine schwere Cholera-Epidemie voraus. Als der Abt die Statue fragte, ob man die Epidemie bekämpfen könnte, gab die Buddha-Statue die Rezeptur einer Kräutermischung bekannt, die man anfertigen sollte. Tatsächlich soll die Epidemie ausgebrochen sein und die Kräutermischung war das Allheilmittel dagegen.

Der vergrabene Buddha

Eine der ungewöhnlichsten Buddha-Figuren Thailands befindet sich 20 km nördlich von Phuket Town, im Wat Thong, dem Tempel des goldenen Buddhas. Diese Figur ist halb in der Erde vergraben, und nur die obere Hälfte ragt hinaus. Eine lokale Legende erklärt auch diesen seltsamen Zustand.

Dort, wo heute der Wat Phra Thong steht, war Anfang des 19.Jahrhunderts nur eine kleine Weide. Hier hatte ein Junge einen Büffel weiden lassen. Als es mittags sehr heiss und der Junge müde wurde, beschloss er etwas zu Schlafen. Zuvor wollte er aber den Büffel an ein Metallstück festbinden, dass aus der Erde ragte, damit der Büffel nicht weglaufen konnte.

Abends trieb der Junge den Büffel heim, so wie er es jeden Tag tat. Zuhause angekommen, wurde er plötzlich krank. Sein Zustand verschlimmerte sich zum Abend, und am nächsten Morgen war das Kind tot. Die Familie war fassungslos, war ihr Junge doch vorher kerngesund. Niemand konnte sich den plötzlichen Tod erklären.

Eines Nachts hatte der Vater des Jungen einen seltsamen Traum, der ihn zu der Weide führte, an der sein Sohn den Büffel gehütet hatte. Verstört machte sich der Vater am nächsten Morgen auf, um die Weide zu untersuchen. Wie von einer inneren Stimme geleitet, stiess er auf das aus der Erde ragende Metallstück, an dem sein Sohn den Büffel angebunden hatte. Von Neugierde und Furcht getrieben, rief er einige Freunde zusammen, und gemeinsam versuchte man nun, das Metallstück auszugraben, da er es alleine nicht schaffte.

Schon nach kurzer Zeit kam zur Verblüffung aller eine goldene Buddha-Statue zum Vorschein. Das Metallstück war nichts anderes als der Haarkranz der Statue. Trotz aller Kraftanstrengungen konnten die Männer den Buddha aber nicht aus seiner inneren Umklammerung lösen. Ihnen gelang es nur, die Figur bis zur Brusthöhe freizulegen. Da sie glaubten, es wäre ein geheiligter Willen der Buddha-Statue, liessen sie den Buddha in der Erde und errichteten einen Wat darum herum, den heutigen wat Phra Thong. Natürlich könnte man meinen, dass sich die Männer vielleicht nicht genügend angestrengt hätten, aber in der nachfolgenden Geschichte wird gezeigt, dass wohl mehr dahinter steckt.

Einige Jahre später, im Jahre 1809, fielen die Burmesen plündernd in Phuket ein. Als sie die goldene Buddha-Statue sahen, versuchten auch sie den Buddha aus der Erde zu ziehen. Doch auch sie schafften es nicht die Figur aus der Erde zu lösen. Als sie den Einfall hatten zumindest den Kopf zu erbeuten und abzuschlagen, wurden sie urplötzlich von wilde Hornissenschwärmen angegriffen, von denen sie schliesslich auch in die Flucht geschlagen wurden.

Die Einwohner von Phuket bauten den Wat weiter aus und liessen den Buddha mit einer Gipsschicht bedecken, um ihn vor den Blicken raffgieriger Feinde zu schützen. Im Laufe der Zeit wurde diese Gipsschicht aber von Abertausenden von Gläubigen mit Goldblättchen bedeckt, so das wieder ein goldener Buddha entstand. Auch heute kommen täglich Hunderte von Thais zu dem Wat, um die Figur zu ehren. Für sie hat die Figur ein starkes Eigenleben und damit verfügt sie auch über wundersame Kräfte.

Der Wat enthält weitere sieben Buddha-Statuen, die aber in voller Grösse zu sehen sind, und die sieben Wochentage symbolisieren sollen. Die Gläubigen werfen Spendengelder in ein Sammelgefäss, das beim Buddha ausgestellt ist, der mit ihrem Geburtswochentag bezeichnet ist. Wie das Anbringen von Goldblättchen soll auch dies helfen, Verdienste für das nächste Leben zu erwerben. Der Wat Phra Thong befindet sich in Thalang, nordwestlich von Phuket Town.

Der magische Buddha

18 km südwestlich von Lampang befindet sich der Wat Phra That Lampang Luang. Er wurde im 11.Jahrhundert erbaut und gehört zu den ältesten Anlagen Thailands. Seine spirituelle Bedeutung erhält Der Wat durch den Phra Keo Don Thao, der auch als Jade-Buddha bezeichnet wird und dem magische Fähigkeiten zugesprochen werden, so dass dieser Buddha ebenfalls von vielen Thais regelmässig besucht wird. In früheren Zeiten, so die Überlieferungen, hatte die Figur in einem gleichnamigen Wat in Lampang gestanden. Die Buddha-Figur soll sogar aus denselben Materialblock gehauen worden sein wie der berühmte Emerald Buddha im Wat Phra Keo in Bangkok.

Der Buddha der nach Lampang wollte

Es geht hier um den berühmten Smaragd-Buddha. Vieles wurde schon darüber geschrieben, auch dass er nicht aus einem Smaragd besteht. Eher nimmt man an, dass es sich um Nephrit, Jade oder grünen Jaspis handelt. Interessant ist die legendäre Herkunft der Figur. Hier die Legende:

Der Legende nach schufen die altindischen Götter die Figur und überliessen sie einen heiligen Inder namens Nagasena. Es soll eine vergleichbare Geschichte wie Moses mit der Bundeslade gewesen sein. Von Nagasena weiss man nur noch, dass er ein sehr geachteter und weiser Mann war und das er zunächst in Indien lebte und dann auf Sri Lanka weilte. Wo die Figur nach seinem Tod war ist bis heute ungeklärt. Eine weitere Legende knüpft anscheinend an diese Geschehnisse an.

Vor etwa 1700 Jahren erlitt eine indische Prinzessin mit dem Namen Hemshela in der Nähe des heutigen Nakhon Si Thammarat Schiffbruch. Sie wurde von den Bewohnern herzlich aufgenommen und versorgt. Aus Dankbarkeit für ihre Rettung gründete sie die Stadt Likor (das heutige Nakhom Si Thammarat), und stiftete den Smaragd-Buddha den sie auf dem Schiff hatte. (Vermutlich war Likor eine bedeutende Hafenstadt des Sri Vijaya-Reiches. Man fand sehr alte Befestigungsanlagen, die auf das Jahr 655 datiert wurden). Im Ort gibt es heute noch eine 7 Meter hohe Statue von der Prinzessin, im Areal des Wat Mahatthat. Damit dürfte die Buddha-Figur eine der frühesten Buddha-Statuen sein. Aber noch sind sich die Historiker nicht ganz sicher.

Überspringen wir die Jahrhunderte bis zum Jahre 1434. Wahrscheinlich durch Kriegswirren oder die Wanderschaft von Mönchen gelang die Figur nach Chiang Rai in Nordthailand.

Im Jahre 1434 schlug ein Blitz in eine Stupa der Stadt Chiang Rai ein und brachte einen stuckverzierten Buddha zum Vorschein. Man brachte den seltenen Fund zum Herrscher der Stadt. Dort stellte man einen Riss im Stuck fest, durch den grüner Stein zu sehen war. Eilends entfernte man den Stuck, und zum Vorschein kam der Smaragd-Buddha.

Der König in Chiang Mai, der auch über Chiang Rai regierte, erfuhr davon und sandte eine Eskorte mit einem Elefanten, um den kostbaren Buddha in seine Hauptstadt bringen zu lassen. Der Elefant liess sich jedoch nicht nach Chiang Mai führen, sondern schlug seinen Weg geradewegs nach Lampang ein. Nachdem dreimal dasselbe passiert war, beliess der König den Buddha 32 lang ( Bis 1468) in Lampang. Erst 1468 wurde er nach Chiang Mai gebracht und in der östlichen Nische des Chedi Luang aufgestellt. War das Verhalten des Elefanten Zufall ?

Die strafenden Buddhas

25 km von Luang Prabang (LAOS) entfernt gibt es den unscheinbaren Ort Pak Ou. Die Hauptattraktion des Ortes ist die Höhle Tham Thing. Diese Höhle ist, wie viele Höhlen in Südostasien, von kleinen Mönchsgemeinden oder Eremiten bewohnt und ein Wallfahrtsort der Laoten. In der Höhle gibt es eine Unzahl von Buddha-Figuren, die seit 400 Jahren von Gläubigen und früher von der königlichen Familie hierher gebracht wurden. Es sollen einst 5.000 Figuren gewesen sein, wovon einige mehrer Jahrhunderte alt sein dürften.

Die wachsende Zahl der Touristen, die diese Höhle besichtigen, hat insbesondere die Reihen der kleinen Metallfiguren im Laufe der Jahre gelichtet. Aber immer wieder wird auch darüber berichtet, dass es den Dieben anschliessend schlecht erging und nicht wenige sogar krank wurden, Unglück hatten oder gar starben. Manche Souvenir-Diebe haben im letzten Moment die Figur im Ort oder im Hotelzimmer gelassen, von wo sie dann die glückliche Heimreise nach Tham Thing antraten. Die Einwohner schliessen daraus, dass von dieser Höhle aus eine spirituelle Kraft auf alle Figuren übergeht.

Der eigenwillige Buddha

In der Stadt Chachoengsao, östlich von Bangkok, gibt es den Wat Sothorn Wararam Wora Vihara. Dieser Wat beherbergt den Phra Putthasothon oder wie er meistens von der Bevölkerung benannt wird, Luang Phaw Sothon. In diesem Wat verstarb ja der Mönch Luang Po Sothorn. Gibt es hier einen Zusammenhang mit der Figur ?

Diese Buddha-Figur gehört zu den heiligsten Buddhas in ganz Thailand. Die Statue hat die Meditations-Haltung. Sie ist rund 1,60 Meter im Schoss breit, und fast 2 Meter hoch. Der Wat liegt am Flussufer, ungefähr 2 km südlich von der Sala Klang, dem Gebäude der Provinzverwaltung.

Die Legende berichtet, dass vor langer Zeit drei bronzene Buddha-Statuen von Prachinburi den Fluss herunter geschwemmt wurden und bei Sampathan zum Vorschein kamen. Die Einheimischen versuchten, so heisst es, die drei Statuen mit Seilen an Land zu ziehen, was ihnen aber nicht gelang. Selbst die kleinste Statue liess sich auch nicht mit vereinten Kräften bewegen. Sie wurden weiter flussabwärts getrieben.

Die grösste Statue sei später bei Ban Laem in der Samut-Songkhram-Provinz zum Vorschein gekommen. Die Einheimischen dort brachten sie schliesslich ins Wat Ban laem. Die kleinste Statue tauchte später im Wat Bang Phli in Samut Prakan auf. Die mittelgrosse aber, Luang Phaw Sothon, wurde bald vor dem Wat Sothon gesehen. Die Leute versuchten wieder sie mit Seilen aus dem wasser zu ziehen, hatten aber erneut keinen Erfolg. Schliesslich hatte ein Mann die Idee, zunächst eine Behausung für die Statue zu bauen. Vielleicht war die Figur ja deshalb nicht bereit an land zu gehen, da keine Behausung für sie dar war.

Phra Phaw Sothon wurde, als der Schrein fertiggestellt war, zunächst förmlich gebeten, in die neue Behausung umzuziehen. Danach war es den Einheimischen tatsächlich möglich, die Statue an Land zu bringen. Sie wurde gemäss dem Versprechen der Gläubigen, in dem eigens erbauten Schrein im Wat Sothon untergebracht. Jedes Jahr werden zu Ehren der Figur zwei Tempelfeste gefeiert, eines Mitte des 5. Mondkalendermonats, eines Mitte des 12. Mondkalendermonats.

Der Wunsch Buddha

In Phrae (Nordthailand) gibt es den Wat Phra That Cho Hae. Ausserhalb des Wats ist eine kleine Kapelle, worin sich die heilige Buddha-Figur Phra Chao Tam Chai befindet. Sie soll die Kraft haben manchmal Wünsche erfüllen zu können.

Wahrlich seltsame Geschichten, die selbst Kenner des Buddhismus in Thailand nicht immer erklären können. Wir sollten vielleicht auch einmal mit dem Gedanken leben, ob uns, als aufgeklärte Europäer, in gewisser Hinsicht nicht die Verbindung zum Ungreifbaren verloren ging. Vielleicht ist Ihnen auch eine dieser seltsamen Geschichten bekannt ?

Der vergessene Buddha

Mir selbst ist ebenfalls eine äusserst seltsame Geschichte passiert, die ich mir bis heute nicht erklären kann. Sie geschah 1991 in Deutschland, als ich mit meiner Frau eine neue Wohnung bezog. Nach buddhistischer Tradition muss man, bevor man zum ersten Mal in einer neuen Wohnung schläft oder einzieht den Hausgeist, bis dahin dachte ich etwas abfällig darüber, durch ein Gebet als neuer Untermieter begrüssen und den hauseigenen Buddha-Altar aufstellen und Buddha um Schutz bitten. Da man in Wohnungen keine Geisterhäuschen aufstellt, hat solch ein Altar eine wichtige Funktion im buddhistischen Glauben.

Die Wohnung war zwar noch nicht eingerichtet, aber, nachdem wir bis spät in die Nacht gearbeitet hatten und müde waren, wollten wir hier schlafen. Als es dunkel wurde, wollte ich noch etwas trinken und machte das Licht einer Stehlampe an. Bei Betätigen des Schalters gab es einen riesigen Knall: Kurzschluss!

Dabei war ich nicht nur erschrocken sondern auch ärgerlich, war die Lampe doch fast neu. Bei näherem Hinsehen sehe ich, dass die Lampenfassung fast geschmolzen war. Also zur alten Wohnung und eine Ersatzlampe geholt. Geht auch nicht! Auf zum Sicherungskasten und Hauptsicherung nachgesehen. Kein fehler zu finden. Hauptsicherung in Ordnung und trotzdem kein Strom mehr. Das war schon sehr merkwürdig.

Wir riefen den Notdienst der Stadtwerke. Ich erklärte ihnen den Vorfall, sie untersuchten die Lampe, die Steckdose und den Sicherungskasten mit allen Drähten. Der Befund: Sicherungskasten und alle Schalter in Ordnung. Warum haben wir keinen Strom ? Die Männer von den Stadtwerken waren zunächst ratlos, Dann meinte einer "Es gibt noch eine Möglichkeit, die aber fast auszuschliessen ist. Die Hauptsicherung im Keller". Also gehen wir in den Keller.

"Nicht möglich" hörte ich " die Sicherung ist total verschmort, dazu braucht man einen Blitzschlag. Dabei ist sie auch gar nicht so alt" sagten mir die Arbeiter. Sie bauten eine neue Hauptsicherung ein und konnten uns auch nicht erklären, warum nicht bei uns die Sicherung herausgeflogen war, sondern die Hauptsicherung vom haus durchbrannte. Auch konnte kein Fehler an der Lampe entdeckt werden.

Am zweiten Tag hatten wir normalen Strom und arbeiteten weiter in der Wohnung. Wieder schliefen wir hier. Gegen 3-00 Uhr morgens schrillte der Uhrenwecker. "Hast du den Wecker gestellt?" fragte ich meine Frau. "Nein" Du?" entgegnete sie. Wir schliefen weiter. Fast pünktlich um 4.00 Uhr geht der Wecker wieder, obwohl keine Weckfunktion eingeschaltet war. Was ist hier los? Jetzt erst wird meine Frau stutzig. "Wir haben vergessen uns den Hausgeist vorzustellen und um Einlass zu bitten und Buddha zum Schutz anzubeten. Auch müssen wir den Buddhaaltar aufstellen, wir wohnen ja schon hier, sagte meine Frau.

Dann erklärte sie mir, dass unsere Budha-Figur uns auch beschützt, und wir sie dadurch beleidigt hätten, weil wir sie noch nicht in der neuen Wohnung an ihren Platz gestellt hatten. Der Kurzschluss war ein Zeichen von ihm. Nachdem wir alles getan hatten, gab es tatsächlich keine weiteren Merkwürdigkeiten. Alles Zufall ? Ich bin heute noch sehr skeptisch und meine, in vielen Beziehungen nüchtern und rational zu denken, aber dieses Ereignis ist mir bis heute nicht geheuer.

Der Kristall-Buddha

In Chiang Mai, im Wat Chiang Man an der Rajaphakinai Road, dem ältesten Wat der Stadt, kann man zwei heilige Buddha-Figuren bewundern, den Phra Sae Tang oder Kristall-Buddha, der einst der Königin Chama Devi, der Herrscherin von Haripunjai (das heutige Lamphun) gehörte, und 1281 von König Mengrai nach Chiang Mai geholt wurde und den Phra Sila oder Stein-Buddha, der 100 Jahre alt und aus Indien sein soll. Beide Figuren werden ebenfalls wundersame Kräfte zugesprochen.

Schlusswort

Für manche Leser mag sich einiges suspekt anhören, aber wenn man sich mit den Bildnissen Buddhas beschäftigt und dabei einige Verhaltensweisen beobachtet und diese hinterfragt, so stösst man unweigerlich auf Geschichten und Gegebenheiten, die uns auch ein geheimnisvolles Thailand repräsentieren, dass wir noch lange nicht vollständig verstanden haben.
Um den Buddhismus in Thailand vollständig zu verstehen, dies ist meine persönliche Auffassung, braucht man sehr viel Geduld und Toleranz. Die Bildnisse Buddhas sind der Hauptbestandteil des alltäglichen Buddhismus in Thailand, dem wir deshalb auch unsere Aufmerksamkeit widmen sollten, wenn wir uns mit dem Buddhismus und den Glauben in Thailand ernsthaft beschäftigen.

Manches Geheimnis können wir weder durch rationales noch durch passives Denken oder Intoleranz lösen, sondern vielleicht nur durch mehr Beobachten, Zuhören und Nachdenken. Erst dann werden wir in Gesprächen mit Mönchen und Gläubigen alles besser erfassen können. Dabei ist es natürlich nicht immer leicht, Aberglauben vom Unfassbaren trennen können, doch soll jeder für sich die Geschichten über wundersame Buddha-Figuren interpretieren.

© Wilfried Stevens, dieser Beitrag wurde exklusiv für den Wat Srinagarin und THAIPAGE Online verfasst.

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