Mae chi – die Nonnen
Während man männliche Mönche in Thailand jeden Tag auch unterwegs begegnen und sehen kann, sieht man Nonnen unterwegs seltener, da die meistens in einem Wat leben und dort tätig sind. Das liegt aber auch daran, das es, gegenüber den etwa 300.000 männlichen Mönchen, nur rund 15.000 Nonnen im ganzen buddhistischen Königreich geben soll. Alle Nonnen erkennt man daran, das sie weiße Roben oder weiße Kleidung tragen, und die meisten wie auch die Mönche sehr kurzgeschorene Haare haben. Eine Nonne nennt man Mae chi. Sie hat zwar ein gewisses Ansehen in der thailändischen Gesellschaft, das jedoch immer noch weitaus geringer ist als dies eines Mönch.
Im Gegensatz zu manchen Nonnenorden in Deutschland dürfen Nonnen in Thailand keinen eigenen Orden gründen oder ordiniert werden, und haben auch weitaus weniger Rechte als Mönche. Der Grund, warum buddhistische Nonnen kaum Rechte haben, gleichberechtigt neben einem Mönch die buddhistischen Regeln zu lernen, zu beten und ordiniert werden zu können, liegt wohl weiterhin darin, das immer noch die konservativen Denkweisen aus den Anfänge des Buddhismus befolgt werden. So darf nach dieser Denkweise ein Mönch nicht den Reizen einer Frau unterliegen oder dadurch abgelenkt werden, wenn er im Wat lebt, um die buddhistischen Regeln zu lernen und zu befolgen.
Dabei soll selbst Buddha es nicht verboten haben, das Nonnen einen eigenen Orden gründen und eine volle Nonnenordination erhalten können! Buddha soll seinem Lieblingsschüler, dem Mönch Amanda, dessen Bitte zugebilligt haben, das auch einen Nonnenorden gegründet werden kann, aber Buddha soll im auch im voraus gesagt haben, das solch ein Orden nicht lange bestehen würde.
Auch müssen sich Nonnen an das Gebot wie alle Frauen halten, einen Mönch oder dessen Robe nicht zu berühren. Ebenfalls dürfen Frauen einem Mönch nichts direkt überreichen. Jede Gabe an den Mönch wird deshalb vor ihm auf dem Boden oder auf einer Schale gestellt, oder der Mönch legt ein gelbes Tuch aus, worauf die Gaben gelegt werden können. Dadurch wir eine direkte Berührung ausgeschlossen. Nonnen dagegen können von weiblichen oder männliche Gläubigen direkt etwas annehmen.
Leben im Wat
Alle Nonnen leben meistens in einem extra zugewiesenen Bereich eines Wat. Eine Mae chi hat ähnliche Pflichten wie ein Mönch. Nonnen stehen ebenfalls wie die Mönche sehr früh auf, meditieren und helfen bei der Vorbereitung des Essens für die Mönche, wenn diese von ihrem Almosengang am frühen Morgen zurückkehren. Nonnen machen niemals eine Almosengang mit Mönchen zusammen, sondern die Gläubigen versorgen die Nonnen mit Essen, Dingen des täglichen Bedarfes und auch Geldspenden. Seltener sieht man schon auch mal eine Nonne oder mehrere Nonnen auf den Almosenrundgang.
Nonnen übernehmen auch ebenso wie Mönche und Tempeljungen auch Aufgaben, um den Wat sauber und instand zu halten, dazu gehört ebenso das Geschirr nach dem Essen zu spülen, das Reinigen von Räumlichkeiten, das Pflegen von Grünanlagen oder notwendige Ausbesserungsarbeiten.
Wie die Mönche kann jede Mae chi meditieren und die buddhistischen Schriften und Regeln studieren oder wird von einem erfahrenden Mönch eingewiesen. Grundsätzlich aber dürfen Nonnen bei religiösen Zeremonien keine Ämter oder buddhistische Zeremonien ausüben. Während der buddhistischen Zeremonien sitzen sie nie zusammen mit den Mönchen, sondern bei den Gläubigen, jedoch oft an vorderste Reihe. Manche Nonnen leben nur einige Zeit in einem Wat, manche ihr Leben lang.
Trotz mancher konservativer Denkweise, Regeln und fehlenden Rechten ist jedoch eine Mae chi nicht als eine geduldete Hilfskraft in einem Wat zu verwechseln. Jede Mae chi ist sich ihren fehlenden Rechten, ihrer Rolle und ihren Aufgaben in einem Wat bewusst! Ihnen ist der Umgang mit Geld gestattet, daher übernehmen die Mae chi oftmals die Bewirtschaftung eines Wat. Auch organisieren sie, mit Unterstützung von Gläubigen, die Vorbereitungen für buddhistische Veranstaltungen. Ebenso ist es ihnen gestattet, in ihrem Tätigkeitsbereich Gläubige zu empfangen, um ihnen Ratschläge zu erteilen oder auch Essen, Dinge des alltäglichen Lebens und Geldspenden anzunehmen. Dabei dürfen sie Spenden von weiblichen und männlichen Gläubigen annehmen.
Nonne auf Zeit
Einige junge Mädchen oder Frauen können auch für einige Tage Nonne werden. Solche Nonnen auf Zeit brauchen ihren Kopf nicht ganz zu rasieren, aber das Haar wird in der Regel kurz geschnitten. Viele dieser Mädchen und Frauen erfüllen ein selbst aufgelegtes Gelübde, um für kurze Zeit Nonne zu werden oder danach sogar sein Leben neu auszurichten. Dahinter spiegeln sich aber auch persönliche Einzelschicksale und andere Gründe wieder, um solch einen Schwur, Nonne auf Zeit zu werden, auch einzuhalten.
Dies könnten u.a. folgende Gründe haben:
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Nach einer schweren Krankheit wieder man wieder gesund.
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Man möchte eine schlechte Tat (Sünde) wieder gut machen.
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Man möchte sich von einem Leid erlösen können, sei es der Tod eines geliebten Menschen, einer unglückliche Trennung oder Ähnliches.
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Man möchte sich einfach Gedanken über den Sinn des Lebens machen und darüber in der Abgeschiedenheit eines Wat nachdenken und meditieren.
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Man möchte sich sozial engagieren, ältere und kranke Menschen helfen. Nonnen engagieren sich viel für ältere und kranke Menschen sowie Waisenkinder.
Durch den Aufenthalt und dem Erfüllen von Aufgaben in einem Wat, erhofft man sich, das Gelübde damit erfüllt zu haben. Durchaus üblich ist es, das ein erfahrender Mönch besonders den Nonnen auf Zeit in den buddhistischen Regeln einweist und Unterricht in der Meditation und im Gebet erteilt. Dazu gehören auch Ratschläge für das zukünftige Leben. Manche bleiben dann für ihr ganzes Leben eine Nonne.
Die zukünftige Rolle der Nonnen in Thailand
Natürlich wird die Rolle der Frau im thailändischen Theravada-Buddhismus und die fehlenden Rechte von thailändischen Nonnen auch in Thailand schon seit vielen Jahren diskutiert. Das dafür notwendige Engagement vieler Frauen ist vorhanden. So wurde u.a. mit Unterstützung Ihre Majestät, König Sirikit, das Thai Maechi Institut vor vielen Jahren gegründet, um für diese Thematik ein Forum anzubieten. Diskutiert wird die fehlende höhere gesellschaftliche Anerkennung von Nonnen, die fehlende Gleichstellung von Nonnen und Mönchen sowie die derzeitige offizielle Nichtanerkennung von Nonnenorden. Gefordert wird nicht nur ein moderner Buddhismus in Thailand, sondern auch die Ordination von Nonnen.
Nachdem 1999 in Sri Lanka die volle Ordination von Nonnen im Theravada-Buddhismus wieder hergestellt wurde, fühlen sich immer Nonnen und Frauen in Thailand darin bestätigt, auf den richtigen Weg zu sein, um auch öffentlich mehr über ihre zukünftige Rolle im thailändischen Buddhismus zu diskutieren.
© Wilfried Stevens, dieser Beitrag wurde exklusiv für den Wat Srinagarin und
THAIPAGE Online verfasst. |