Das ‘Songkran’ - Fest
(Das thailändisches Neujahrsfest)
Das Wort ‘Songkran’ trägt die Bedeutung von “weiterziehen” oder “Ortswechsel” in sich, denn die Sonne wechselt zu der Zeit, in der nach der thailändischen Tradition das Neujahrsfest begangen wird, ihren astrologischen Standort vom Kreis der Fische (‘Min’ - ‘Minakhom’ = März) in den Kreis des Widders (‘Mes’ - ‘Mesayon’ = April). Oftmals spricht man aber auch vom “Fest des Wassers”, da im Volk der Glaube verankert ist, dass das Wasser reinigt und das Schlechte und Böse wegwäscht.
Das ‚Songkran‘-Fest findet jedes Jahr am 13. - 15. April statt. Dabei hat jeder der drei Tage eine eigene Bezeichnung:
Der 13. April „Mahasongkran -Tag“ (Tag des Austritts der Sonne aus dem Kreis der Fische)
Der 14. April „Nau - Tag “ (Verbindungs - Tag)
Der 15. April „Thaloeng-Sok - Tag“ (Jahresanfang)
Die Leute in Thailand nehmen sich dieses Fest zum Anlass, angesehenen Persönlichkeiten, den Eltern sowie Lehrern eine respekterweisende Aufwartung zu machen. Ebenso reisen zu diesem Fest viele im Ausland lebende Thailänder in ihr Mutterland zurück, um religiöse Opfergaben darzubringen, deren Verdienst den verstorbenen Vorfahren zugute kommen soll, Buddhastatuen und Mönche, ebenso wie Grosseltern, Eltern und Lehrer mit reinigendem Wasser zeremoniell zu begiessen, sowie mit Freunden und Verwandten, die man lange nicht mehr gesehen hat, dem spielerischen gegenseitigen Wasserbegiessen zu frönen - und auf diese Weise die Freundschaft und sozialen Bande weiterzupflegen.
Im Zusammenhang mit der Zeremonie des Wasserbegiessens ist aus der Mythologie die folgende Geschichte überliefert:
Als Prinz Kabilaphrom eine Wette mit Dharma- palakumar verloren hatte und er sich deshalb gezwungen sah, sein Wort einzulösen, wonach er sich seinen eigenen Kopf abschneiden würde, ging er zu seinen sieben Töchtern, um ihnen zu erzählen, was sich zugetragen hatte und ihnen Anweisungen zu geben. So sagte er ihnen: „Mein Kopf strahlt eine derart grosse Hitze aus, dass er, wenn er in den Ozean fällt, das gesamte Wasser zum Verdampfen bringt und den Ozean austrocknet. Bleibt er in der Luft, so entweicht die Luft und kein Regen fällt mehr. Fällt er aber auf den Erdboden, so kann ein zerstörerischer Weltenbrand entstehen. Deshalb bitte ich euch, meine Töchter, ein goldenes Tablett bereitzuhalten, auf dem sich der Kopf abkühlen kann, damit er keinen Weltenbrand auslöst.“ Nachdem er dies gesagt hatte, schnitt er seinen eigenen Kopf ab. Seine älteste Töchter legte diesen nun auf ein goldenes Tablett, trug ihn in einer Prozession um den Sumen-Berg und stellte ihn schliesslich auf in einem Schrein in der Kanduli-Höhle am Kailash-Berg, wo sie ihm Weihrauch und Duftstoffe darbrachte. Die sieben Töchter befolgten alle die Anweisungen, die ihnen der Vater gegeben hatte, und so wechselten sie sich alljährlich dabei ab, den Kopf ihres Vaters in einer Prozession um den Sumen-Berg zu tragen und ihn dann mit Wasser zu begiessen und mit Duftstoffen zu besprühen.
Von den sieben Töchtern des Prinzen Kabilaphrom hat jede ein anderes Reittier und eine andere mythologische Waffe und jede hat ihren eigenen Namen, aber zusammen werden sie „‚Songkran ‘ - Damen“ genannt. Traditionell haben die Leute diesen „‚Songkran ‘ - Damen“ grosse Bedeutung beigemessen und stets danach gefragt, welche der sieben in einem bestimmten Jahr an der Reihe war, welches Reittier sie benutzte und welche Nahrungsmittel, Waffen und Gegenstände sie bei sich trug und in wie sich ihr Zustand ausdrückte, um daraus die Zukunft zu erraten. Wenn die „Songkran - Dame“ zum Beispiel Bohnen und Sesam als Nahrung bei sich hatte, so war das ein gutes Zeichen für ein gesegnetes Landwirtschaftsjahr - wenn sie aber Blut trank, so waren Not und Wirren angesagt. Ebenso wurde auf diese Weise der Wetterverlauf des kommenden Jahres erraten.
Das ‘Songkran’ - Fest ist das traditionelle Neujahr in Thailand. Die Kinder und Jugendlichen sollen aus diesem Anlass mit einer rituellen Waschung ihre Eltern, Verwandten und Lehrer um Vergebung bitten für vergangene Fehler, gleich ob diese nun durch Taten, Worte oder auch nur in Gedanken geschehen sind. Daher kann man dieses Fest auch als das “Fest des Respekts und der Vergebung” bezeichnen, denn die Jüngeren bezeugen Respekt für die Aelteren und die Aelteren vergeben den Jüngeren ihre Fehler. Auf diese Weise kehrt Ruhe und Frieden in der Gesellschaft ein und es ist dies auch eine gute Verhaltensregel, die Freundschaft und gesellschaftliche Solidarität fürdert.
Das ‚Songkran‘ - Fest ist somit ein Anlass, der Verhaltensregeln vorgibt, die von unermesslichem Wert sind, um auf eine friedliche Gesellschaft hinzuarbeiten. Möge diese Tradition gepflegt und fortgesetzt werden!
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